Tuesday, 18. April 2006 7:04
Schade das ich heute NIEMANDEN von euch auf der Demo gegen die Studiengebühren gesehen habe. ich weiß ihr hattet seminar u.ä….. Schon mal was von Sozialem Ungehorsam gehört?!?!?!?! angesichts 1000 euro pro jahr an zusätzlichen kosten FÜR EUCH hättet ihr auch mal mit der beschissenen Hierarchie brechen können und zeigen das ihr auch noch neben der struktur existiert. Man, ich dachte das die leute spätestens dann auf die strasse gehn und anfangen die regeln zu brechen wenn es um ihre eigenen belange geht, wenn ihnen die probleme der vielen anderen schon scheiss egal sind. aba die kleine latschtdemo heute war echt voll ätzend. und dafür haben wir stundenlang transparent gemalt, die rede geschrieben, uns mit den nervigen “uni-schläfern” rumgeschlagen……. SCHEISSE, DREIMAL SCHEISSE!!!!!!!!!!!! und ich bin erst 22 und jetzt schon bin ich kurz vorm resignieren wie diese öden alt 68′er mit ihrem blöden gelaber. Naja. “Der Traum ist aus, aber ich werde alles geben, damit er Wirklichkeit wird”, wie die Scherben so schön sangen. Hier unsere Rede (Wir sind im übrigen die A/AL, NICHT die Unischläfer!)
Freie Bildung statt kapitalistischer Selektion!
Der Protest gegen die Studiengebühren zieht sich mittlerweile durch die
gesamte Bundesrepublik. Getrieben von der unmittelbaren Bedrohung ihrer
Lebensumstände gehen Studentinnen und Studenten auf die Strasse. Mit dem
Nein zu Studiengebühren verweigern wir uns der sogenannten „Sachzwangpolitik“.
Noch vor der zunehmenden Repression, die sich zum Beispiel durch das neue Schleswig- Holsteinische Polizeigesetz äußert, ist die Ökonomisierung gesellschaftlicher Bereiche zum prägnantesten Markenzeichen unserer Zeit geworden.
Tatsächlich führen die Befürworter der Studiengebühren in sich geschlossene Argumente ins Feld. Die andauernde Krise des westeuropäischen Kapitalismus erzeugt durchaus eine Sachzwangpolitik, die die soziale Marktwirtschaft immer deutlicher Geschichte werden lässt. Die Funktionalität des Systems hat oberste Priorität in der Ausrichtung jeglicher Form von Regierungspolitik, deshalb werden unsere Herrschenden alles versuchen den maroden Kapitalismus künstlich am Leben zu erhalten. Obwohl genug gesamtgesellschaftliche Ressourcen vorhanden sind, kommen diese immer weniger Menschen zu Gute.
In diesem Kontext stellt sich die Frage, was wir wirklich aussagen, wenn wir hier heute demonstrieren. Denn wenn die CDU davon spricht, dass es doch sozial unfair sei, wenn ein Arbeiter uns das Studium über seine Steuern finanziert, so hat sie damit recht; es sei denn es ist unsere Absicht, die Organisation des gesellschaftlichen Lebens an sich komplett zu ändern. Ein studentischer Protest gegen Studiengebühren, der sich nicht gegen die kapitalistische Herrschaftsstruktur richtet, verkommt entweder zu einer halbherzigen oder hochgradig egoistischen Bewegung.
Wir können nicht Studiengebühren verteufeln, und zum Thema Arbeitslosengeld
II schweigen. Es wäre makaber, uns nur über die Verschlechterung unserer
Lebensumstände zu beschweren, während Tausende mittelloser Migrantinnen und
Migranten in das Elend der von den Industrienationen verwüsteten
Armutsregionen der Welt abgeschoben werden. Obdachlose, Drogenabhängige,
Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Alte, alle sie werden ob ihrer
kommerziellen Unverwertbarkeit an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt.
Wir hingegen sollen immerhin noch verzinste Kredite fürs Studium bekommen!
Wären wir überzeugte Anhänger des Kapitalismus, wir könnten direkt dankbar
sein für so eine Vorzugsbehandlung.
Lasst euch daher nicht vor den falschen Karren spannen! Wenn eine Partei wie die SPD etwa, die konzeptionell nie eine andere Politik als ihre neoliberalen Schwesterparteien im Bundestag betreiben wird, jetzt hier in Schleswig-Holstein gegen Studiengebühren wettert, so tut sie das aus purem Marketing heraus. Das demokratische Grundverständnis dieses Staates verkommt immer mehr zur Farce. Alle Parteien rennen wie im Einheitsblock des DDR- Regimes ein und dem selben wirtschaftspolitischem Dogma nach.
Eine auf studentischen Demonstrationen oft geäußerte Forderung lautet „Keine Ökonomisierung der Bildung“. Jedoch: Was ist Bildung in dieser, unserer Gesellschaft Anderes, als Aneignung von Fähigkeiten, mittels derer sich Mensch auf dem Arbeitsmarkt prostituieren und möglichst gewinnbringend einbringen soll? Wir können den Zwang zur Effizienz, der auf uns lastet, jeden Tag spüren! Wir werden durch Anwesenheitslisten kontrolliert, jagen Scheinen nach, beugen uns der Hierarchie, um schlussendlich einen aus wirtschaftlicher Perspektive ach so „wertvollen“ Abschluss zu ergattern. Darüber hinaus werden wir zu Staatstreue, Nationalismus und Konsumgier erzogen, indem uns unsere Pseudodemokratie als ein absolut gutes und richtiges System gepriesen wird, obwohl wir uns doch täglich von dem Gegenteil überzeugen können.
Als Randerscheinung liefert der bildungspolitische Kurs dieses Systems
Nährboden für das Auftreten von Neo-Faschismus inklusive. Die durch unsere Gesellschaft produzierten Missstände sind gefundenes Fressen für die Vertreter des bedrohlich wachsenden rechten Randes geworden. Momentan lässt sich dies in Berlin sehen, wo die NPD die Diskussion um polizeibewachte Hauptschulen für ihre Propaganda aufgreift und missbraucht. In dem der Kapitalismus Außenseiter und Randgruppen schafft, entsteht der
Hass auf die zu einem selbst in Konkurrenz um die spärlichen Ressourcen
schlechter gestellten Mitmenschen. Dieser Realität müssen wir Solidarität mit
allen von der Herrschaft des Kapitals betroffenen entgegensetzen.
Die Politik der Herrschenden erzeugt in immer kürzeren Abständen immer
heftigere soziale Kämpfe. Der Streik im öffentlichen Dienst und der Kampf
der Metaller sind ebenso als Reaktion auf den fundamentalistischen
Verwertungswahn zu Sehen wie der anstehende Widerstand gegen die
Zwangsumsiedlung von Hartz 4 Empfängern, der Protest gegen jede Schließung
sozialer Einrichtungen, die Verteidigung nicht kommerzieller, linker
Freiräume und eben auch, wenn wir dieses nur deutlich genug formulieren,
unser Widerstand gegen die Einführung von Studiengebühren. Die
entschlossenen Aktionen der Hafenarbeiter gegen die Bolkenstein Doktrin
sowie die Proteste in Frankreich haben gezeigt, dass heftiger, punktueller
Widerstand die Verhältnisse kräftig ins Wanken bringen kann. Und wenn wir
all diese Kämpfe in Verbindung bringen, sind wir bereits jetzt Teil einer
großen, beständig wachsenden, einflussreichen und zukunftsfähigen sozialen Bewegung.
Freie Bildung statt kapitalistischer Selektion- wir fordern frei zugängliche
Bildung für jede und jeden, sowie die Unabhängigkeit des Lernens und der
Wissenschaft von jeglicher Staats- und Wirtschaftsdoktrin. In Göttingen
haben Studentinnen und Studenten erleben müssen, wie sich der Staat
unbequemer Wissenschaftler und Studiengänge entledigt zu Gunsten
oberflächlicher, angepasster Staatswissenschaften. Doch selbst wenn kritische Lehrstühle in einem gebührenfreien System bestehen bleiben, ist dies nicht das was wir unter freier Bildung verstehen. Freie Bildung kann für uns nur in einem fundamental anderen Bildungssystem stattfinden. Frei von Leistungszwängen, Kontrollwahn, wirtschaftlicher Bestimmung und hierarchischen Strukturen, sondern erfüllt von Selbstbestimmung, Vielfältigkeit z.B. durch die Aufhebung der Fächertrennung, motiviert durch eigenes Interesse- dies sind Ansätze freier Bildung! Dazu ist es nötig, eine freie Struktur zu schaffen, die genug Ressourcen zur Verfügung stellt, als das nicht nur eine kleine Elite, sondern jeder Mensch, der dies wünscht, in den Genuss freier Bildung kommt.
Lasst uns gemeinsam Alternativen zu den herrschenden Verhältnissen schaffen!
Freie Bildung statt kapitalistischer Selektion- Alles für alle!